Nachgefragt: „Wie gut bewährt sich Komori H-UV in der Praxis?

Ein Beitrag von Thomas Doliwa

Auf der kürzlich zu Ende gegangenen Drupa hatte KOMORI auf drei der gezeigten sechs Maschinen ein H-UV Trocknersystem eingesetzt und eifrig darauf hingewiesen wie umweltfreundlich und produktionssteigernd diese Technologie sei für die sich in Europa schon mehr als 20 Druckereien entschieden hätten.

Aber trifft das auch in der alltäglichen Praxis zu? Wir waren bei einem Anwender zu Gast, der seit einem Jahr mit H-UV produziert und haben ihn um seine ehrliche Meinung gebeten.

Die im belgischen Waregem gelegen Druckerei Cassochrome ist ein seit mehr als 40 Jahren bestehender Betrieb mit derzeit 12 Mitarbeitern, der sich auf die Herstellung von Kunst- und Architekturbüchern höchster Qualität spezialisiert hat. Hierbei wird besonderer Wert auf eine Fülle von hochwertigen Papiersorten gelegt die die Haptik des Papiers erlebbar machen.

Seit mehr als 20 Jahren ist sie Kunde von Komori. Der Geschäftsführer, Herr Bernard Soens berichtet, daß nicht nur die hohe Druckqualität hierfür entscheidend sei sondern vor allem die geringen Kosten für Wartung und Unterhalt sowie die hohe Verfügbarkeit. Derzeit wird mit einer 70×100 Maschine mit 5 Farben und Lack produziert, eine weitere 5-Farben ist bestellt.

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Er unterstreicht, daß ein entscheidendes Argument für H-UV die Umweltfreundlichkeit sei.

So beansprucht Komori wie Wettbewerber auch, daß die Maschinen CO²-neutral produziert würden, die eigentliche Unterscheidung besteht aber im Wegfall des Puders und dem sofort trockenen und weiterverarbeitbarem Bogen. Und dies bei deutlich reduzierten Stromverbrauch des H-UV-Trockners. Dieser beträgt nur 1/3 eines herkömmlichen UV-Trockners und liegt somit auch deutlich unter den Werten, die eine IR/Heißluftkombination benötigt. Zudem ist sein Strahlungsspektrum so eingegrenzt, daß die Ozon erzeugenden kurzen Wellenlängen ebenso wegfallen wie die Längeren die Wärme erzeugen, somit kein Ozon abgesaugt werden muß und die Stapeltemperatur nur unwesentlich über der Raumtemperatur liegt. Dies ermöglicht nach der schnellen Stapelwendung einen hervorragenden Rückseitenpasser.

Da kein Dispersionslackaufgetragen werden muß um einen sofort trockenen Bogen zu erzeugen, wie es bislang üblich war, bleibt die Haptik des verwendeten Papiers erhalten, und auch bei großen Vollflächen gibt es kein störendes Puder mehr. Daß hierdurch auch die Reinigungsarbeiten in der Auslage weitestgehen wegfallen erhöht den Ausstoß der Maschine erheblich, weil durchschnittlich 2…3 Stunden/Woche mehr Nettokapazität verfügbar ist. Der Trockner selbst ist in der Auslage eingebaut.

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Der wesentliche Quantensprung ist aber der Wegfall der Lackiereinheit, die ja nicht nur eine erheblich Investition darstellt sondern auch bei Produktionsende jeweils zu reinigen ist was Personal bindet aber auch Zeit kostet, in der Regel weitere 2 …3 Stunden. Zudem wird für das Aufbringen eines Dispersionslackes vom Kunden nur selten als entgeltliche Zusatzleistung bezahlt. Konsequenterweise wird die neue Maschine eine 5-Farben ohne Lackwerk sein. Die an der vorhandenen Maschine verfügbare Harris + Bruno Einheit wird nur noch für UV-Spot-Lackierungen verwendet.

Bei Druckabnahme an der Maschine kann der Kunde sofort das verbindliche Endergebnis beurteilen und freigeben da es kein Wegschlagen der Farbe mehr gibt, das den Endeindruck beeinträchtigen kann. Der Druck ist trocken und weitestgehend kratzfest und kann sofort weiterverarbeitet werden.

Allerdings setzt der Einsatz von H-UV voraus, daß man den Prozeß kontinuierlich optimiert. Das trifft für die eingesetzten Walzen und Gummitücher ebenso zu wie für die Feucht- und Reinigungsmittel. Es gilt aber auch für den Drucksaal, der eine konstante Temperatur aufweisen sollte um die Viskosität der Farben stabil zu halten. Diese Maßnahmen sind entscheidend für das Druckergebnis, wobei es derzeit nur zwei ausgereifte Farbanbieter gibt, TOYO Ink und Arets aus Belgien. In beiden Fällen liegt der Preis um etwa die Hälfte über konventioneller Farbe, was aber durch den geringeren Farbverbrauch teilweise ausgeglichen wird, den Herrn Soens mit 20 … 25% angibt. In der Praxis sind die TOYO Farben brillanter und leuchtender was vor allem amerikanischen Kunden entgegenkommt.

Im Ergebnis hat, so Herr Soens, Komori sein Versprechen gehalten. Eine einfache Maschinenkonfiguration liefert ca. 25% mehr Nettoproduktion die extrem schnell weiterverarbeitet werden kann. Dadurch werden die etwas höheren Investitionen mehr als ausgeglichen zumal noch die deutlich erhöhte Produktqualität und Umweltfreundlichkeit hinzukommt. Man kann also nur wünschen, daß auch in Deutschland bald die ersten H-UV Anlagen produzieren werden.